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b) Dekret des Landeshauptmanns vom 12. April 2017, Nr. 141)
Regelung der Lehre zum Erwerb des Diploms der staatlichen Abschlussprüfung

1)
Kundgemacht im Amtsblatt vom18. April 2017, Nr. 16

Art. 1 (Anwendungsbereich)

(1) Diese Verordnung regelt die Lehre zum Erwerb des Diploms der staatlichen Abschlussprüfung laut Artikel 5 Absatz 3 des Landesgesetzes vom 4. Juli 2012, Nr. 12, in geltender Fassung: Insbesondere legt sie die Zugangsvoraussetzungen und -verfahren, die Dauer, den Umfang und die Organisation der schulischen Ausbildung fest; dies in Durchführung von Artikel 17/bis desselben Landesgesetzes.

Art. 2 (Zugangsvoraussetzungen)

(1) Die Art des Berufsbildungsdiploms, das die Kandidaten/die Kandidatinnen besitzen, bedingt die Zugangsvoraussetzungen, das Zugangsverfahren und die Fachrichtung des Lehrgangs. Die Zuordnungen zu den Fachrichtungen des Lehrgangs werden vom/von der für die Lehre zuständigen Bereichsdirektor/Bereichsdirektorin festgelegt.

(2) Zugang zur Lehre zum Erwerb der staatlichen Abschlussprüfung haben Personen, die:

  1. das Höchstalter von 24 Jahren nicht überschritten haben,
  2. das Berufsbildungsdiplom nach Abschluss einer vierjährigen Lehre zum Erwerb eines Berufsbildungsdiploms oder nach Abschluss einer vierjährigen Berufsfachschule erworben haben, und zwar unabhängig vom Schuljahr, in dem sie es erworben haben und unabhängig vom Ausbildungs- oder Beschäftigungsverhältnis, in dem sie sich zum Zeitpunkt der Einreichung des Zulassungsgesuchs befinden, und
  3. das Zugangsverfahren laut Artikel 3 positiv absolviert haben.

(3) Die Überprüfung der Zugangsvoraussetzungen erfolgt durch die zuständige Berufsschule.

Art. 3 (Zugangsverfahren)

(1) Die Kandidaten/Kandidatinnen müssen Prüfungen ablegen, um die Kompetenzen, Kenntnisse und Fertigkeiten nachzuweisen, die für eine fruchtbringende Teilnahme am Lehrgang erforderlich sind. Das Zugangsverfahren für Personen, die das Berufsbildungsdiplom über die Lehre zum Erwerb eines Berufsbildungsdiploms erlangt haben, besteht aus folgenden Teilen:

  1. Überprüfung der Grundvoraussetzungen,
  2. schriftliche Prüfung in Deutsch/Italienisch L1 und schriftliche Prüfung in Mathematik. An den Berufsschulen in den ladinischen Ortschaften werden die Unterrichtssprachen des paritätischen Schulsystems Deutsch und Italienisch schriftlich in L1 überprüft,
  3. mündliche Prüfung, bei der die Kompetenzen in Italienisch/Deutsch L2, Englisch und Betriebswirtschaftslehre (BWL) sowie die Motivation der Kandidaten/Kandidatinnen überprüft werden.

(2) Die Bewertung erfolgt durch die Prüfungskommissionen laut Artikel 4.

(3) Die Bewertung der Grundvoraussetzungen erfolgt anhand:

  1. des Berufsbildungsdiploms,
  2. des Jahreszeugnisses über das vierte Jahr der Berufsschule, und
  3. eventueller Bescheinigungen und/oder anderer in einer für die Ermittlung annehmbaren Form abgefasster Dokumentationen über Erwerbstätigkeit und/oder Arbeitserfahrungen und/oder gemeinnütziger Tätigkeiten im Sozialbereich, sofern sie mit dem Lehrgang zusammenhängen.

(4) Die Bewertung der Unterlagen und Dokumente erfolgt durch die Prüfungskommission an der Berufsschule auf der Grundlage der folgenden Kriterien:

  1. was die Nachweise laut Absatz 3 Buchstabe a) und b) betrifft, wird der Mittelwert aus der Endnote der Lehrabschlussprüfung zum Erwerb des Berufsbildungsdiploms und der Durchschnittsnote des Jahreszeugnisses über das vierte Jahr der Berufsschule, auf Grund dessen die Zulassung zur Lehrabschlussprüfung erfolgte, in Betracht gezogen. Dafür wird die Durchschnittsnote aus allen Fächern gebildet, mit Ausnahme von Religion und Bewegung und Sport,
  2. bei Personen, welche die Lehrabschlussprüfung als Privatisten absolviert haben, und somit kein Jahreszeugnis über das 4. Jahr der Berufsschule gemäß Absatz 3 Buchstabe b) nachweisen können, wird die Punktezahl aufgrund der Endnote des Berufsbildungsdiploms vergeben,
    dem ermittelten Wert werden die Punkte wie folgt zugeteilt:

Durchschnittswert:

Punktezahl:

6,0 – 6,4

8

6,5 – 6,9

14

7,0 – 7,4

20

7,5 – 7,9

25

8,0 und darüber

30

  • c)  was die Nachweise laut Absatz 3 Buchstabe c) betrifft, so kann die Prüfungskommission an der Berufsschule höchstens 5 Punkte nach den von ihr fest gelegten Kriterien vergeben.

(5) Die schriftliche Prüfung in Deutsch/Italienisch L1 und die Prüfung in Mathematik dauern jeweils höchstens 90 Minuten. Für die Prüfungsleistung, die sowohl für Deutsch/Italienisch L1 als auch für Mathematik positiv sein muss (für eine positive Bewertung sind mindestens 12 Punkte bei jeder der beiden Prüfungen erforderlich), werden insgesamt höchstens 40 Punkte vergeben, und zwar höchstens 20 Punkte für Deutsch/Italienisch L1 und höchstens 20 Punkte für Mathematik.

(6) Für die Zulassung zur mündlichen Prüfung ist es erforderlich, dass der Kandidat/die Kandidatin insgesamt mindestens 45 Punkte aus der Überprüfung der Grundvoraussetzungen und der Bewertung der schriftlichen Prüfungen erhält.

(7) Falls eine der beiden schriftlichen Prüfungsarbeiten negativ, aber mit mindestens 10 Punkten bewertet wird, während die andere positiv ist und wenn insgesamt mindestens 24 Punkte erreicht werden, kann die für die Bewertung zuständige zentrale Prüfungskommission die endgültige Entscheidung der zuständigen Prüfungskommission an der Berufsschule übertragen, welche unter Berücksichtigung guter Leistungen des Kandidaten/der Kandidatin während des Schulbesuchs und bei der Lehrabschlussprüfung diesen/diese zur mündlichen Prüfung zulassen kann, wenn er/sie auf Grund der schriftlichen Prüfungen und der Überprüfung der Grundvoraussetzungen insgesamt 45 Punkte erreicht.

(8) Die mündlichen Prüfungen in Italienisch/Deutsch L2, Englisch und BWL dauern circa 15 Minuten für jedes einzelne Fach. Die Kriterien für die Bewertung der Prüfungsleistung werden von den zuständigen Prüfungskommissionen an den Berufsschulen in gemeinsamer Absprache festgelegt.

(9) Für die Prüfungsleistung werden insgesamt höchstens 60 Punkte vergeben, und zwar höchstens je 20 Punkte für Italienisch/Deutsch L2, für Englisch und für BWL. Die Prüfungsleistung muss sowohl in Italienisch/Deutsch L2 als auch in Englisch und BWL positiv sein. Für eine positive Bewertung sind mindestens 12 Punkte bei jeder der drei Prüfungen erforderlich.

(10) Falls eine der drei genannten Prüfungen negativ, aber mit mindestens 10 Punkten bewertet wird, während die anderen positiv sind, und wenn insgesamt mindestens 36 Punkte erreicht werden, kann die Prüfungskommission an der Berufsschule mit Mehrheitsbeschluss entscheiden, den Kandidat/die Kandidatin trotz der einen negativen mündlichen Prüfung zum Lehrgang zuzulassen. Für die Entscheidung werden die Leistungen des Kandidaten/der Kandidatin während des Berufsschulbesuchs und bei der Lehrabschlussprüfung berücksichtigt.

(11) Der Kandidat/die Kandidatin wird von Teilen der mündlichen Prüfung befreit, wenn er/sie der Prüfungskommission bei der Prüfung eines der folgenden Zertifikate vorlegt:

  1. Befreiung von der mündlichen Prüfung in Italienisch/Deutsch L2:
    1. Bescheinigung über die Kenntnis der italienischen und der deutschen Sprache oder Bescheinigung über die Kenntnis der italienischen, der deutschen und der ladinischen Sprache, die sich auf den Ausbildungsnachweis laut Artikel 4 Absatz 3 Nummer 2) des Dekrets des Präsidenten der Republik vom 26. Juli 1976, Nr. 752, in geltender Fassung, beziehen,
    2. international zertifizierter Sprachnachweis Niveau B1,
  2. Befreiung von der mündlichen Prüfung in Englisch: international zertifizierter Sprachnachweis Niveau B1,
  3. Befreiung von der mündlichen Prüfung in BWL:
    1. Teil Unternehmensführung der Meisterprüfung im Handwerk oder Gastgewerbe oder Prüfung zum Handelsfachwirt,
    2. EBC*L-Führerschein.

(12) Die Befreiung wird mit der Punktezahl 20 gewertet.

(13) Das Gespräch zur Überprüfung der Motivation des Kandidaten/der Kandidatin hat den Zweck, die Beweggründe des Kandidaten/der Kandidatin, den Kurs zu besuchen, seine/ihre Voraussetzungen und seinen/ihren Bewusstseinsgrad in Bezug auf den zur Matura führenden Lehrgang zu ermitteln.

(14) Ausgehend von einer kurzen Vorstellung des Kandidaten/der Kandidatin und seines/ihres persönlichen Bildungs- und/oder beruflichen Entwicklungsgangs, schreitet die Prüfungskommission an der Berufsschule:

  1. zur Feststellung des Niveaus des Vorbildungsstandes, mittels:
    1. einer Analyse und einer kritischen Abwägung der Ergebnisse der Überprüfung der Voraussetzungen und jener Kompetenzen, die eventuell mangelhaft und folglich verbesserungsbedürftig für einen erfolgreichen Besuch des Lehrgangs erscheinen,
    2. einer Analyse und einer kritischen Reflexion der Ergebnisse einer etwaigen Teilnahme an fakultativen Vorbereitungskursen zur Förderung von Kenntnissen, Fertigkeiten und Kompetenzen, die im Hinblick auf den Lehrgang wichtig sind,
  2. zur Ermittlung der Ziele für die berufliche Entwicklung und der Gründe, die den Kandidaten/die Kandidatin zum Besuch des Lehrgangs bewegen.

(15) Für das Ergebnis des Gesprächs können höchstens 25 Punkte vergeben werden.

(16) Aufgrund des Ergebnisses der Prüfungen nimmt die Prüfungskommission an der zuständigen Berufsschule folgendes vor:

  1. sie erstellt ein Bewertungsprofil des Kandidaten/der Kandidatin,
  2. sie verfasst ein abschließendes Urteil über die Eignung oder Nichteignung für die Zulassung zum Lehrgang,
  3. erstellt eine Rangordnung der Kandidaten/Kandidatinnen auf Grund der erreichten Punktezahl; die Rangordnungen werden gesondert nach Fachrichtung erstellt.

(17) Um als geeignet für den Besuch des Lehrgangs erklärt zu werden, ist es notwendig, wenigstens sechs Zehntel der insgesamt maximal möglichen Punktezahl zu erreichen.

(18) Sollten sich sowohl Absolventen/Absolventinnen einer vierjährigen Lehre als auch Absolventen/Absolventinnen einer vierjährigen Berufsfachschule für den Lehrgang bewerben, wird eine gemeinsame Rangordnung erstellt. Aufgrund der unterschiedlichen Zugangsverfahren bei Absolventen/Absolventinnen einer vierjährigen Lehre und bei Absolventen/Absolventinnen einer vierjährigen Berufsfachschule werden die erreichten Punkte am Ende so umgerechnet, dass sie vergleichbar sind.

Art. 4 (Prüfungskommissionen für das Zugangsverfahren)

(1) Der Bereich Deutsche Berufsbildung, der Bereich Italienische Berufsbildung, der Bereich Ladinische Berufsbildung und die Abteilung land-, forst und hauswirtschaftliche Berufsbildung verfügen jeweils über zentrale Prüfungskommissionen, wobei Kommissionen für folgende Fachbereiche vorgesehen sind:

  1. Landwirtschaft und Umwelt,
  2. Industrie und Handwerk,
  3. Verwaltung, Handel, Tourismus, personenbezogene Dienstleistungen und
  4. Soziale Dienste.

(2) Die zentralen Prüfungskommissionen sind für die Ausarbeitung und Bewertung der schriftlichen Prüfung in Deutsch/Italienisch L1 und der schriftlichen Prüfung in Mathematik zuständig, wobei die Möglichkeit besteht je eine Unterkommission für Deutsch/Italienisch L1 und Mathematik zu ernennen.

(3) Wird das Zugangsverfahren in einem Fachbereich von mehreren Bereichen/Abteilungen der Berufsbildung angeboten, sind die Prüfungsaufgaben für alle Berufsbildungsbereiche/-abteilungen dieselben. Die Prüfungskommissionen stimmen sich entsprechend untereinander ab.

(4) Die Vorbereitung und Bewertung aller weiteren Aspekte des Zugangsverfahrens liegen in der Zuständigkeit der dezentralen Prüfungskommissionen an den Berufsschulen, die den Lehrgang zum Erwerb des Diploms der staatlichen Abschlussprüfung anbieten. Findet an mehreren Berufsschulen das Zugangsverfahren im selben Fachbereich statt, stimmen sich die Prüfungskommissionen der Berufsschulen untereinander ab.

(5) Die Prüfungskommissionen werden vom zuständigen Bereichsdirektor/von der zuständigen Bereichsdirektorin/dem zuständigen Abteilungsdirektor/der zuständigen Abteilungsdirektorin ernannt und setzen sich wie folgt zusammen:

  1. ein/eine vom Bereichsdirektor/von der Bereichsdirektorin/dem Abteilungsdirektor/der Abteilungsdirektorin designierte/designierter und unter den Direktorinnen/Direktoren oder Lehrkräften der Berufsbildung ausgewählter Präsident/ausgewählte Präsidentin,
  2. zwei oder mehrere Lehrkräfte aus den Lehrgang betreffenden Fächern.

Art. 5 (Einschreibung in den Lehrgang und Lehrvertrag)

(1) Nach der Veröffentlichung der Rangordnung können sich die zugelassenen Kandidaten/Kandidatinnen formell in den Lehrgang einschreiben. Das bestandene Zulassungsverfahren gilt für das an das absolvierte Verfahren direkt anschließende Schuljahr sowie für zwei weitere Schuljahre.

(2) Die rechtlichen Voraussetzungen für den Abschluss eines Lehrvertrages zum Erwerb des Diploms der staatlichen Abschlussprüfung laut Artikel 5 Absatz 3 des Landesgesetzes vom 4. Juli 2012, Nr. 12, in geltender Fassung, sind gegeben, sobald die zuständige Berufsschule die Einschreibung bestätigt und mitteilt, dass der Lehrgang startet.

(3) Der Lehrgang kann nur von Personen besucht werden, die spätestens mit erstem September einen Lehrvertrag zum Erwerb des Diploms der staatlichen Abschlussprüfung vorweisen können.

(4) Der Besuch des Lehrgangs ist im Rahmen der verfügbaren Ausbildungsplätze und Klassen möglich, die jährlich vom Land festgelegt werden.

(5) Im Fall einer Auflösung des Lehrlingsverhältnisses während des Schuljahres, aus welchem Rechtstitel auch immer, können die Teilnehmer/Teilnehmerinnen am Lehrgang das Schuljahr regulär beenden.

(6) Die Landesregierung regelt die Vereinbarung zwischen Berufsschule und Arbeitgeber/Arbeitgeberin im Sinne der staatlichen Bestimmungen.

Art. 6 (Umfang und Organisation der schulischen Ausbildung)

(1) Der Lehrgang umfasst mindestens 1.020 Stunden.

(2) Um den Lehrlingen den Besuch des Lehrgangs zum Erwerb des Diploms der staatlichen Abschlussprüfung zu ermöglichen, wird der Unterricht auf zwei Schuljahre bzw. vier Semester aufgeteilt.

(3) Pro Schultag dauert der Unterricht nicht mehr als 7 Stunden. Die Schultage sind wie folgt aufgeteilt:

  1. Semester 1, 2 und 3: je 2 Schultage pro Woche,
  2. Semester 4: je 3 Schultage pro Woche.

(4) Der Unterricht an der Berufsschule findet in verschiedenen Organisationsformen statt, die nach Anhörung der Sozialpartner unter Berücksichtigung ihrer besonderen Bedürfnisse festgelegt werden.

(5) Für alle Aspekte der schulischen Organisation und der schulinternen Verfahren, die nicht durch diese Verordnung geregelt sind, findet Abschnitt I des Dekrets des Landeshauptmanns vom 22. Dezember 1994, Nr. 63, in geltender Fassung, Anwendung.

Art. 7 (Dauer der Lehre)

(1) Die Lehre zum Erwerb des Diploms der staatlichen Abschlussprüfung laut Artikel 1 endet, sobald der Lehrling die staatliche Abschlussprüfung erfolgreich absolviert hat.

Dieses Dekret ist im Amtsblatt der Region kundzumachen. Jeder, dem es obliegt, ist verpflichtet, es zu befolgen und für seine Befolgung zu sorgen.