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Beschluss vom 16. Juli 2012, Nr. 1113
Neue Richtlinien für die Durchführung sowie Definition der Bedingungen und der Vorgangsweise für die Tätigkeit der medizinisch-assistierten Fortpflanzung

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1. DIE TECHNIKEN DER MEDIZINISCH-ASSISTIERTEN FORTPFLANZUNG

Wie in den Richtlinien im Bereich der medizinisch-assistierten Fortpflanzung (Beschluss der Landesregierung Nr. 3351 vom 12/09/2005 und im Beschluss der Landesregierung Nr. 818 vom 10/03/2008) bestimmt wurde, können die Eingriffe im Bereich der medizinisch-assistierten Fortpflanzung ausschließlich in den dazu ermächtigten Gesundheitsstrukturen durchgeführt werden.

Die ermächtigten Strukturen müssen alle Eigenschaften/Erfordernisse enthalten, die im Abkommen zwischen den Präsidenten der Regionen und der Landeshauptmänner der autonomen Provinzen anlässlich der am 11. November 2004 stattgefundenen Konferenz vereinbart wurden. Dieses Abkommen enthält alle strukturellen Eigenschaften sowie alle Erfordernisse in Bezug auf Geräte/Instrumente und Personal, welche die Strukturen, die Fortpflanzungstherapien durchführen, für die Ermächtigung aufweisen müssen.

Die Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie am Krankenhaus Bruneck, führt in ihrer Funktion als wissenschaftliches Zentrum für die medizinisch betreute Empfängnis gemäß Beschluss der Landesregierung, Nr. 2510/2001, als einziges öffentliches Zentrum in der Autonomen Provinz Bozen, spezialisierte Eingriffe durch. Diese gehören der so genannten „2. und 3. Ebene“ an.

Die Techniken der 1. Ebene können in allen Gesundheitsbezirken, das heißt auch in den Krankenhaus-Strukturen von Bozen, Brixen und Meran angeboten werden.

Im Rahmen der oben genannten Tätigkeiten müssen folgende Qualitätskriteriensichergestellt sein:

• internationalen Richtlinien entsprechende Schwangerschaftsraten;

• Internationale labortechnische Standards;

• kompetente Patientenbetreuung;

• richtige Indikationsstellung der medizinisch-assistierten Fortpflanzung;

• Psychologische Betreuung;

• Kontakt und Zusammenarbeit mit führenden reproduktionsmedizinischen Zentren;

• konstante Fortbildung des eingebundenen Teams:

• ausreichende Anzahl betreuter Paare (mindestens 200 - 250 pro Jahr) für spezialisierte Eingriffe (Techniken der 2. und 3. Ebene).

Spezifische Anforderungen:

1. Vor der Inanspruchnahme der Techniken der medizinisch-assistierten Fortpflanzung erhalten die Paare im Rahmen der psycho-sozialen und medizinischen Beratung eine umfassende Aufklärung über die gesundheitlichen und psychologischen Folgen der medizinisch-assistierten Fortpflanzung (Reproduktion) und über die juridischen Auswirkungen für die Eltern und das gezeugte Kind.

2. Auf alle Fälle ist eine rein körperliche Behinderung an und für sich kein Grund, weshalb eine Elternschaft ausgeschlossen werden darf. Aus der Beratung muss nur deutlich erscheinen, dass das Paar die mit der Elternschaft verbundenen Pflichten für die Schwangerschaft, Geburt, Versorgung und Erziehung eines Kindes auch erfüllen kann.

3. Dazu soll dem Paar eine Aufklärung über das Spektrum der verschiedenen Verfahren angeboten werden. Die Entscheidung des Paares muss schriftlich festgehalten werden (informed consent) und vom verantwortlichen Arzt gegengezeichnet werden.

4. Dem betroffenen Paar wird auch Beratung dahingehend angeboten, Alternativen wie Adoption oder auch Akzeptanz der eigenen Unfruchtbarkeit ernsthaft in Erwägung zu ziehen.

5. Der Zugang zu den Techniken der medzinisch-assistierten Fortpflanzung ist nur dann erlaubt, wenn es sich nach einer angemessenen Zeit als nicht möglich erwiesen hat, über psychologisch-psychotherapeutische sowie ärztlich-somatische Behandlungen die Ursachen der Sterilität zu beheben. Die Inanspruchnahme der modernen Reproduktionsmedizin soll graduell erfolgen, indem mit weniger invasiven Methoden begonnen wird.

6. Die moderne Reproduktionsmedizin kommt ausschließlich als Behandlung der Sterilität in Frage.

7. Bei den Zulassungsbedingungen für die moderne Reproduktionsmedizin gilt als Regel, dass es hier nicht nur um die Freiheit der Einzelnen und ihr Recht auf Inanspruchnahme sozialer Hilfen geht, sondern auch um die optimalen Voraussetzungen für das auf diese Weise gezeugte Kind. Insofern soll der Zugang zu den Techniken der medzinisch-assistierten Fortpflanzung den ehelich verbundenen Paaren vorbehalten bleiben, sowie den heterosexuellen Paaren, bei denen nach entsprechender Beratung klar geworden ist, dass es sich um eine stabile Lebensgemeinschaft handelt. Eine medzinisch-assistierte Fortpflanzung ist nur bei dem biologischen Alter der Frau und des Mannes ethisch zu rechtfertigen, in dem im Prinzip von beiden eine verantwortungsvolle Elternschaft und Erziehung übernommen werden kann.

8. Leihmutterschaft ist ethisch nicht vertretbar.

9. Durch Überstimulierung bei hormoneller Ovulationsauslösung (vor allem bei intrauteriner Insemination – IUI -, können höhergradige Mehrlings-Schwangerschaften in der Regel aus einer nicht ausreichend qualifizierten Beratung und Behandlung resultieren, muss eine bestmögliche Steuerung und Überwachung sowohl der hormonalen Stimulationstherapie wie auch der modernen Reproduktionsmedizin erfolgen. Hierbei ist auch eine niedrige Schwangerschaftsinzidenz in Kauf zu nehmen.

Was die Tätigkeit von Seiten privater chirurgischer Ambulatorien für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie angeht, gilt, dass auch in Anwendung des Staatsgesetzes Nr. 40/2004 in geltender Fassung eine entsprechende Erlaubnis für das Ausstellen von Therapieplänen nur jenen Sanitätsdirektoren zusteht, die zudem die Funktion des ärztlichen Leiters ausüben und hierfür durch den verantwortlichen Landesrat für Gesundheit ermächtigt sind. Was eine mögliche Akkreditierung angeht, muss hierfür die Voraussetzung aufgrund der landesweiten Planung in diesem Bereich gegeben sein.

Die Techniken der medizinisch-assistierten Fortpflanzung werden derzeit, aufgrund der Komplexität der Eingriffe von der weniger invasiven bis hin zur invasiveren Methode, in drei Ebenen unterteilt.

TECHNIKEN DER 1° EBENE:

• Hormonelle Stimulationstherapien;

• Stimulationstherapie für die intrauterine Insemination mit Aufbereitung der Samenflüssigkeit;

• Induktion einer kontrollierten ovariellen Stimulation und Ovulation mit der intrauterinen Insemination (IUI) mit Aufbereitung der Samenflüssigkeit;

• Eventuelle Kryokonservierung der männlichen Gameten.

TECHNIKEN DER 2° EBENE: (Maßnahmen, welche mittels lokaler Betäubung und/oder Allgemeinanästhesie durchgeführt werden):

• Follikelpunktion;

• In-Vitro-Fertilisation mit Embryotransfer (FIVET);

• Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI);

• Perkutane Spermienaspiration und Hodenbiopsie ;

• Eventuelle Kryokonservierung der männlichen und weiblichen Gameten (Spermien und Eizellen) und Embryonen im Rahmen der geltenden Gesetzgebung;

• Transvaginaler oder Hysteroskopischer intratubarer Transfer von männlichen und weiblichen Gameten (GIFT), Zygoten (ZIFT) oder Embryonen (TET).

TECHNIKEN DER 3° EBENE: (Maßnahmen, welche eine Allgemeinanästhesie/Vollnarkose mit Intubation verlangen):

• Mikrochirurgische Entnahme von Gameten (Spermien) aus dem Hoden;

• Laparoskopische Follikelpunktion;

• Laparoskopischer intratubarer Transfer von männlichen und weiblichen (GIFT), Zygoten (ZIFT) oder Embryonen (TET);

• Chirurgiche Gewebeentnahme von den Eierstöcken und/oder Hoden zur Kryokonservierung.

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